Mittwoch, 22. März 2023
StartAPO/68er und KommunismusVon heiligen Kühen und unreifen Männern

Von heiligen Kühen und unreifen Männern

Nach der Veröffentlichung neuer Untersuchungsergebnisse aus dem Bistum Mainz: Die Debatte um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche findet kein Ende. Doch der Hauptgrund für den Sittenverfall in den Pfarrhäusern wird weiterhin konsequent verschwiegen, weil er die LGBT-Liga schlecht aussehen lässt.

Bild: Netzfund

Am vergangenen Freitag rückte der Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der mit einer Studie befasste Rechtsanwalt Ulrich Weber machte neue Untersuchungsergebnisse öffentlich, die belegen, dass auch im Bistum Mainz, wie bereits für andere Bistümer ermittelt, Fälle von sexueller Gewalt nicht konsequent verfolgt und teilweise unter den Teppich gekehrt wurden. “Erschreckend” nannte Bischof Peter Kohlgraf die Erkenntnisse, bezeichnete die zuvor oft verharmlosten Fälle von Missbrauch als Verbrechen. “Ein ganzes System hat versagt”, so Kohlgraf, der auch andeutete, dass die Studienergebnisse die Amtszeit der Bischöfe Albert Stohr, Hermann Kardinal Volk und Karl Kardinal Lehmann (langjähriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) nicht im günstigsten Licht erscheinen läßt.

Die erneute Debatte ruft die vor einem Jahr in Erinnerung, bei der der im Dezember verstorbene Papst Benedikt XVI. seine letzte Schlacht zu schlagen hatte: Ihm wurde als ehemals zuständigem Erzbischof von München und Freising vorgeworfen, einen Missbrauchstäter nicht aus dem Verkehr gezogen und in Bezug auf seine Teilnahme an einer Sitzung, bei der in dem Fall entschieden wurde, eine unzutreffende Aussage gemacht zu haben.

Auch die Kirche erlag sittlicher Verwahrlosung der 68er

Die unangemessen aggressiven Vorhaltungen seiner Kritiker ließen freilich schon damals den Verdacht keimen, dass hier alte Rechnungen beglichen werden sollten. Benedikt XVI. hatte sich 2019 in seiner letzten größeren Schrift nämlich intensiv mit der Missbrauchskrise befasst. Und seine Ursachenforschung hatte es in sich: Die Übergriffe von Geistlichen und kirchlichen Mitarbeitern auf Schutzbefohlene brachte er in Verbindung mit der sittlichen Verwahrlosung in der Ära von Studentenprotest und sexueller Revolution und forderte als Gegenmittel ein “Zurück zu Gott!”. Konkret hatte Ratzinger von “homosexuellen Clubs” in Priesterseminaren und als Fallbeispiel von einem Bischof berichtet, der Seminaristen Pornofilme vorführen ließ. Mit anderen Worten: Die – auch den Bereich der Pädophilie einschließende – Enttabuisierung jener Zeit hatte auch die Kirchen voll erwischt. Fürwahr eine unappetitliche Thematik, die anzusprechen indes für die linke Orthodoxie ein größeres Sakrileg ist, als wenn ein Kardinal auf einer Sau durch das Portal des Petersdoms geritten gekommen wäre. Der Papst a. D. hatte einen Frontalangriff auf die heilige Kuh gewagt, die in der deutschen Christenheit das Kreuz Christi längst in den Schatten stellt. Wütende Angriffe seitens liberaler Katholiken waren die Folge. Benedikts Argumentation konterkarierte das von interessierten Kreisen etablierte Narrativ von den “Männerbünden” und problematischen Machtstrukturen als Hauptgrund für den Skandal. Die mag es gegeben haben. Nur ein spezifisch katholisches Problem sind sie nicht, wie nicht nur die parallelen Fälle in der evangelischen Kirche und in nicht-klerikalen Jugendbildungsstätten zeigen. Selbst die mit Atheisten durchsetzte Linkspartei ist laut einer Lagebewertung des Chefs ihrer Jungkaderschmiede, Jakob Hammes, betroffen – auch Linke können Missbrauchsskandal.

Tatsächlich ist der von Benedikt XVI. zur Diskussion gestellte Zusammenhang längst bestätigt, und zwar durch die von der katholischen Kirche zur Aufarbeitung der Vorwürfe in Auftrag gegebene Studie Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz von 2018, die hierzulande ein breites mediales Echo fand. 1.670 Täter und 3.677 Opfer wurden aufgrund der in den Diözesen liegenden Akten der Jahre 1946 bis 2014 ermittelt. Allerdings hat sich von den vielen deutschen Qualitätsmedien offenbar keines die Mühe gemacht, sich die 356 Seiten mal etwas genauer anzusehen, um zu prüfen, ob an Ratzingers Thesen vielleicht doch was dran sein könnte.

Der eigentliche Sprengstoff der Studie liegt nämlich nicht in der hohen Zahl der dokumentierten Fälle, sondern erstens darin (wie an dieser Stelle bereits berichtet), dass rund zwei Drittel der Vorfälle gleichgeschlechtlicher Art waren, und zweitens darin, dass die sexuelle Revolution wie ein Brandbeschleuniger für die sittenwidrigen Übergriffe wirkte. Nie gab es mehr Erstdelinquenten als in den Jahren zwischen 1965 und 1970. Mehr als jeder zehnte derjenigen Täter, von denen sich das Datum des ersten Vergehens ermitteln ließ, beging dieses in den fünf Jahren zwischen 1965 und 1970, die als Hoch-Zeit der “sexuellen Befreiung” gelten. Im Vergleich zum Zeitraum 1946 bis 1950 hat sich die Zahl der Delinquenten verdoppelt. Rund 42 Prozent aller zeitlich zuzuordnenden Ersttaten entfallen in dem Gesamtuntersuchungszeitraum von über siebzig Jahren (Akten von 1946 betreffen auch Missbrauchsfälle aus der Zeit vor 1946) auf die zwanzig Jahre von 1955 bis 1975. Der Anstieg fällt auffällig zusammen mit der Veröffentlichung des Kinsey-Reports im Jahr 1955, der allgemein als Startschuss der Entwicklung zu einem offeneren Umgang mit der menschlichen Sexualität gilt. Das Absinken der Zahlen nach 1975 will die Studie wegen einer angenommenen hohen Dunkelziffer nicht als grundsätzliche Entwarnung verstanden wissen. Viele Opfer sind aus Scham erst mit größerer Distanz zu dem Erlittenen bereit, ihre Opferrolle öffentlich zu machen. Es kommen also desto mehr Missbrauchsfälle ans Licht, je länger sie zurückliegen. Auch wenn der Höhepunkt der Libertinage (Kinderläden, Oswalt-Kolle-Filme) Anfang der Siebziger überschritten war, blieb Missbrauch eine konstante Größe.

Gleichgeschlechtlicher Missbrauch

In drei Teilprojekten wurde ein deutliches Übergewicht gleichgeschlechtlicher Missbrauchsdelikte ermittelt: 62,8 Prozent bei der Auswertung der Daten aus den Diözesen, 80,2 Prozent bei der Analyse von Strafakten der Staatsanwaltschaften. Die Teilstudie, die auf Interviews mit Beschuldigten und Betroffenen basiert, hatte zum Ergebnis, dass 80 Prozent der Täter eine LGBT-Orientierung aufwiesen (Tab. 2.40). Der Anteil homosexuell empfindender Menschen unter den Delinquenten ist signifikant höher als in “anderen institutionellen Kontexten”, bilanzieren die Autoren. Als Erklärung bieten sie an: Junge, “unreife” Homosexuelle habe “die Aussicht auf ein enges Zusammenleben ausschließlich mit Männern” während der Priesterausbildung angelockt. 

Bemerkenswert ist die kollektive Entschlossenheit deutscher Qualitätsmedien, die das Thema des sexuellen Missbrauchs mit maximaler Aufklärungsbereitschaft aufgegriffen und sich hernach in die Thematik monatelang förmlich verbissen haben, die statistischen Belege für einen Zusammenhang zwischen Missbrauchsfällen und gesamtgesellschaftlicher sexueller Enthemmung großkurvig zu umfahren, um ja die heilige Kuh nicht umzunieten, während sie die Schlussfolgerungen des linksfeministisch und geschlechtsrevisionistisch orientierten “synodalen Wegs” hinsichtlich hierarchischer Verkrustungen, patriarchaler Strukturen und rückständiger Rollenverteilungen mit schulterklopfendem Wohlwollen begleiteten. Um nicht zu sagen: sich mit ihnen als einer guten Sache gemein machten.

Wie sich Pornofilme im Priesterseminar auf “Personen mit einer unreifen homosexuellen Neigung” auswirkten, könnte auf jeden Fall einer der Aspekte sein, die nach Ansicht der Autoren “eine intensivere tiefergehende Analyse” verlangen. Damit nicht in die falsche Richtung “tiefergehend” analysiert wird, versichern die Autoren der Missbrauchsstudie aber schon mal vorsorglich: “Homosexualität ist kein Risikofaktor für sexuellen Missbrauch.” Was sollten sie auch sonst schreiben?

Kommentarregeln: Bitte keine beleidigenden oder strafbaren Äußerungen. Seid nett zueinander. Das Leben ist hart genug.

DR. PHIL MEHRENS
DR. PHIL MEHRENS
DR. PHIL MEHRENS ist Autor und Publizist.

11 Kommentare

  1. Noch ein kurzer Nachtrag zu den homosexuellen Priestern, die ja in letzter Zeit ständig im Mund der progressiven Laien wie Kleriker sind:
    soweit mir bekannt ist, ist das kein großes Thema in den zu Rom gehörenden Ostkirchen sowie in den orthodoxen Kirchen. Dort sind die Gemeindepriester zu etwa 90% verheiratet. Ebenso ist mir bekannt, dass die orthodoxen Bischöfe keine schwulen Priester dulden.

    • Dass das immer wieder auffällig gewordene Sexualverhalten der Priesterschaft auch mit dem Zölibat zu tun hat, wird und wurde ja schon lange vermutet und ist auch naheliegend.

  2. Aufarbeitung der Mißbrauchsfälle ist das eine.
    Der zwingend folgende Schritt muß die Abschaffung des Kirchenrechts sein, das immer noch schützend die Hand über die Täter hält. Übrigens gibt es diese Form der ‘Scharia auf christlich’ auch im Arbeitsrecht.

    Die Priester und Pfaffen sind unantastbar für die weltliche Staatsanwaltschaft. Solange das nicht geändert ist, wird weiter gemauschelt und vertuscht.

  3. “Bemerkenswert ist die kollektive Entschlossenheit deutscher Qualitätsmedien, die das Thema des sexuellen Missbrauchs mit maximaler Aufklärungsbereitschaft aufgegriffen und sich hernach in die Thematik monatelang förmlich verbissen haben, die statistischen Belege für einen Zusammenhang zwischen Missbrauchsfällen und gesamtgesellschaftlicher sexueller Enthemmung großkurvig zu umfahren, um ja die heilige Kuh nicht umzunieten, während sie die Schlussfolgerungen des linksfeministisch und geschlechtsrevisionistisch orientierten “synodalen Wegs” hinsichtlich hierarchischer Verkrustungen, patriarchaler Strukturen und rückständiger Rollenverteilungen mit schulterklopfendem Wohlwollen begleiteten. Um nicht zu sagen: sich mit ihnen als einer guten Sache gemein machten.”

    Dieser sog. “synodale Weg” ist aus meiner Sicht nichts anderes als die verklausulierte Verklärung der kulturmarxistischen Infiltration des gesamten “Kirchenapparats”, mit allen negativen, namentlich den in Wahrheit christenfeindlichen Auswüchsen, die damit ungefiltert und ungehemmt einhergehen.

  4. “Zukünftig kann es in der katholischen Kirche in Deutschland Segensfeiern auch für homosexuelle Paare geben….” So beschlossen die Synodalen heute. Mit Zustimmung von 81% der deutschen Bischöfe. Nun soll ein Papier erstellt werden. Dazu heißt es:
    “Das Papier mit dem Titel ‘Segensfeiern für Paare, die sich lieben’ betont, eine Weigerung, die Beziehung zweier Menschen zu segnen, ‘die ihre Partnerschaft in Liebe, Verbindlichkeit und Verantwortung zueinander und zu Gott leben wollen’ sei unbarmherzig bis diskriminierend. Insbesondere weil sich dies ‘gnadentheologisch nicht überzeugend’ begründen lasse.”
    Die obige Aussage der Synodalen ist eine einzige Sauerei. Hier wird ein neuer Weg frei für spirituelle bzw. geistliche Drangsale. Bzw. für geistlichen Missbrauch, den doch die “Progressiven” so bekämpfen wollen. Man lässt einem Seelsorger keinerlei Freiheit, vor allem keinerlei Gewissensfreiheit, selbst zu entscheiden, ob er diese Menschen segnet oder nicht. Ein Seelsorger, der hier nicht mitzieht, wird sofort als unbarmherzig und als “Diskriminierer” in die Ecke gedrückt. Auch wird hier der Weg frei, ihn letztlich als Hetzer und damit als Kriminellen abzustempeln. Will man ihn nicht gleich im Knast festsetzen?

    Dann: was heißt hier gnadentheologisch? Ist das jetzt das neue Modewort in der deutschen Kirche? Gott schenkt allen Menschen seine Gnade, ja. So die Lehre der christlichen Kirchen. Aber nicht unter allen Umständen. Von einer Umkehr, die Voraussetzung für die Gnade Jesu, die Gnade Gottes ist, scheinen die Synodalen nichts zu wissen. Biblische Kenntnisse gleich Null.

    Die synodalen Programmpunkte, die am 9.März bekannt wurden, gleichen übrigens einem Grünen-Parteitag.
    Nun warte ich noch darauf, dass Frau Stetter-Karpf und Consorten für die Legalisierung der Abtreibung schreien sowie dafür, den Weg für die Euthanasie freizumachen.
    Ich bin gewiss in vielerlei Hinsicht eine Kritikerin der römischen Kurie und ihres Machtapparates, ihrer Heuchelei und häufigen Lügerei. Aber die herrschsüchtigen und ignoranten Synodalen gehen mir ganz gewaltig auf den Keks.

    Und die deutschen Bischöfe sind jämmerliche Schlappschwänze.
    Das einzige, was ich bisher an Kritik las, war jene des Kölner Bischofs Schwaderlapp zu den Forderungen betr. der Lockerungen des Zölibats. Wenn der keine anderen Sorgen hat! Die Priesterehe ist von Gott gesegnet. Sie ist ein Sakrament, das Jesus keinem einzigen seiner “Nachfolger” untersagt hat. Und die es in den gesamten Ostkirchen von Rom gibt.
    Dr. Juliana Bauer

    • Sehr geehrte Frau Dr. Bauer,

      ihren Ausführungen kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die Kirchen sind längst mittels “Marsch durch die Institutionen” von Kulturmarxisten infilitriert und übernommen. Dies ist nicht zuletzt auch bei der sog. Migrationspolitik unverkennbar.
      Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Partei “Die Grünen” und den sog. – vor allem deutschen – Kirchen ist heutzutage praktisch nicht mehr erkennbar.
      Leider haben das viele Millionen Kirchensteuerzahler offenbar noch nicht so wirklich realisiert.

    • Sehr geehrte Frau Bauer, das erste, was mir zu Ihren Überlegungen einfiel, war das Wort Faschismus. Ich betone, daß ich d e n nicht für eine Ideologie halte, sondern als militantes Verhalten sehe, das bei allen Ideologien auftritt. Sogar nach dem Konzil machte es sich in “der Kirche” breit. Und Papst Franziskus verhält sich so gegen die Traditionstreuen.
      Schon 1970 ??? gab es eine Bischofssynode, die den Zölibat abschaffen wollte. Papst Paul verhinderte das. Und aus dieser oder etwas späteren Zeit ist mir noch das Wort “Woodstockisierung” in Erinnerung.
      Von 1965 bis 1972 halbierte sich die Zahl der Meßbesucher, dabei begann das ZDK bereits 1968 mit der Agitation gegen Humanae Vitae und statt das Katholische in die Welt zu tragen, trieb es Revolution in der Kirche. Seit 1976 wird ein Drittel des zur Bestandserhaltung notwendigen Nachwuchses verhütet oder abgetrieben. [Statistisch 300, geschätzt 1000 pro Tag] [Jetzt 53 Mio DE : 30 Mio Mihigru]

  5. Gerade die Homosexualität ist Brandbeschleuniger für sexuellen Mißbrauch an Minderjährigen und Abhängigen – war sie schon immer!

    Rolf

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