StartChristentum, Hoffnung und TranszendenzFRANKREICH: Politik und Kirche. Kirchliche JUBILÄUMSFEIERN in Deutschland

FRANKREICH: Politik und Kirche. Kirchliche JUBILÄUMSFEIERN in Deutschland

Bischöfliche STREITFRAGEN. Ein verbal-stachliger Sommer-Strauß

Von Dr. Juliana Bauer

Frankreich und der RN. Diese „rechtsextremen“ Franzosen…

Die Pressemitteilungen überschlagen sich. Was wird aus Frankreich?

Viele sprechen vom RN, dem Rassemblement National, als einer rechtsextremen Partei, andere von einer rechtsnationalen. Ich möchte einmal die wichtigsten Aussagen aus verschiedenen Interviews und Kommentaren herausgreifen.

Betont wird allgemein, dass die Franzosen und Französinnen in diesen Wahlen klarmachen möchten, dass „man nicht einfach immer mehr europäische Integration durchsetzen“ könne. Dass es viele von ihnen offenbar ablehnen, „wenn die EU immer mehr Einfluss auf Kosten der Nationalstaaten erhält.“ So die FR, die überdies meint, dass es nun mit Frankreich für die EU durchaus unangenehm werden könnte (02.07.24).

Wirtschaftspolitik

Denn Le Pen habe vor, die Beiträge an die EU zu reduzieren, um das Geld in die eigene Wirtschaft zu investieren. So z.B. in Steuererleichterungen für die Bürger oder auch in die Kosten für Energie. Der RN will Frankreich von den EU-Regelungen zur Preisfestsetzung für Strom abkoppeln, um so die Energie für seine Landsleute billiger zu machen sowie die Mehrwertsteuer für Treibstoff, Öl und Gas von 20 auf 5,5 Prozent senken.

Allgemein zeigt der RN eine äußerst kritische Haltung gegenüber der EU, nicht nur in der Wirtschaftspolitik, ebenso in Fragen der Bildung oder der Migration.

Migration, Sozialleistungen

Im Fokus der Wahlen steht für die Franzosen die Migrationsfrage, von denen ein Großteil eine verschärfte Migrationspolitik wünscht. Im Parteiprogramm des RN stehen z.B.: höhere Hürden für den Familiennachzug und verstärkte Grenzkontrollen, strengere Maßnahmen zur Abschiebung illegaler Einwanderer, geplante Verschärfung der Anforderungen für Aufenthaltsgenehmigungen und Einbürgerung. Weniger oder keine Sozialleistungen wie Familienbeihilfen für nicht-französische Bürger… (siehe auch ZDF, 01.07.24).

Denn Frankreich ist „so gut wie pleite.“ Macron hat (weiter) abgewirtschaftet.

In Deutschland wäre der Aufschrei jedoch vorprogrammiert. Unabhängig von der wirtschaftlichen Situation, unabhängig von der sozialen, humanen und kulturellen Lage seiner Bürger und Bürgerinnen. Und die Politik und die Kirchen würden dem Aufschrei vorangehen.

Ich erinnere mich an Worte des Sozialdemokraten Willy Brandt, des Bundeskanzlers, der „mehr Demokratie wagte“ und alles andere als ein Nazi war. Er hob einst hervor, dass zuerst unseren, in Not geratenen Bürgern Hilfen zustünden, danach könne man den anderen helfen. Auch seine Mahnung, man müsse „sehr sorgsam überlegen“, wo und wann die „Aufnahmefähigkeit einer Gesellschaft erschöpft“ sei, ist mir im Gedächtnis. Für diese Worte wurde er posthum auf verschiedenen Videos von unseren rot-grünen Gutmenschen als „Rassist“ beschimpft.

Ist nun das Programm des RN inhuman, undemokratisch? Deren Vertreter sich, vergleichbar den damaligen Anliegen Willy Brandts für Deutschland, zuerst für die eigenen Bürger einsetzen möchten? Viele Franzosen sehen das nicht so. Interessant und aufschlussreich ist auch die Tatsache, dass über 34% der Katholiken Frankreichs den RN wählte.

Für sie habe außer der Frage nach der Migration, die ihr Land mit den brutalen Morden an dem Lehrer Samuel Paty erschütterten, an den drei Christen in der Kathedrale von Nizza – der lebensfrohen Nadine Devilliers, dem Meßner Vincent Loquès und der strahlenden Simone Barreto Silva – auch die Frage nach Abtreibung und Euthanasie eine wesentliche Rolle gespielt. Die Frage nach der Diktatur des Todes, die in Macrons Frankreich einen immer größeren Raum einnimmt. Man kann nur hoffen, dass der RN diesen Weg nicht fortsetzen wird.

Die Angst vor dem Hineingezogen-Werden in den Ukraine-Krieg mag, glaubt man kritischen Video-Informationen, viele Franzosen ebenso bewegt haben. Vor allem nachdem der wahnwitzige Neu-Napoleon Macron grünes Licht zu Angriffen auf russische Militärstützpunkte gab. Doch in der Außenpolitik sei wenig Veränderung zu erwarten, da hier die Verantwortung beim Präsidenten liegt.

Der bleiben wolle. Und gerade mit seiner Partei und den Links-Parteien zusammen an einer Kooperation schweißt, die eine RN-Regierung mit aller Macht verhindern soll (falls M. le Président daran festhält, was plötzlich wieder unsicher scheint). Den der Wunsch seiner Landsleute letztlich aber so oder so nicht sonderlich interessiert. Ja, nennt man das nicht Betrug an den Bürgern…? Ob das die Franzosen hinnehmen?

Neu-Priester in Frankreich

Mitte und Ende Juni fanden in Frankreich Priesterweihen statt. Nun stoßen diese allerdings nicht gerade auf mein Interesse, dennoch sah und horchte ich kurz in zwei Interview-Videos hinein, die mir youtube reinspielte.

Zunächst glaubte ich mich in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und damit in die vorkonziliare Epoche zurückversetzt. Vor mir standen oder saßen – von einer einzigen Ausnahme abgesehen – junge, von Kopf bis Fuß schwarz gekleidete Männer, mit römischem Kragen. Manche waren für meinen Geschmack zu jung, wirkten wie junge unerfahrene Buben, die aufgrund ihrer ältlichen, auf mich weltfremd wirkenden Kleidung dennoch um einiges älter aussahen. Oder soll ich auch hier sagen „ältlich“?

Wenn ich mir dann noch die in Frankreich für Pfarrer übliche Anrede Père, Vater, für diese Bubis anhöre – Männer, die zudem nie Vater werden, allenfalls nach einer gewissen geistigen und menschlichen Reife, die jedoch ihre Zeit braucht, zu geistlichen Vätern werden können, dann fühle ich mich wie auf einem anderen Stern. Da ist dann der „Herr Vikar“ oder der „Herr Kaplan“ in Deutschland die ehrlichere Variante.

Ende der 50er und zu Beginn der 60er Jahre kamen die katholischen Priester in diesem Outfit auf einen zu. Gut, man war es gewohnt. Dennoch waren sie mir immer ein Stück weit fremd – bis sie mich manchmal ansprachen und manche auch herzlich lachten und Späße machten.

Als während des II. Vatikankonzils unsere Kapläne eines Sonntags nach der Messe plötzlich in hellen Hosen, Sommerhemden und ohne römischem Kragen vor uns standen, waren wir jungen Leute angenehm überrascht. Und begeistert. Und auch wenn eine ältere Dame dann meinte, nun sähe man, was für hübsche Burschen die Kapläne seien, machten diese ob dieser Komplimente und trotz ihres „verweltlichten“ Outfits keine „Dummheiten.“ Sie waren und blieben überzeugte, engagierte Priester – und ohne Frauenallüren, die einige gleich hinter ihnen vermuten wollten.

Ich fragte mich damals oft, wie wohl Jesus von Nazareth gekleidet war. Laut Überlieferung in der Kleidung der Zeit und des Landes. Die Berichte von Fußwaschung und Kreuzigung des Johannesevangeliums geben ein Stück weit Aufschluss darüber, wenn sie vom Obergewand und auch vom Untergewand Jesu sprechen (Joh.13,4 und 12; Joh.19,23, Schlachter Bibel). Er setzte sich demnach nicht von den anderen Bewohnern Galiläas und Judäas ab.

Im Interview mit einem dieser französischen Neupriester, das ich mir anhörte, fiel mir, ohne dass der Zölibat explizit genannt wurde, die Betonung der priesterlichen Berufung auf. Der Berufung zu einem priesterlichen oder zu einem mönchischen Leben. Einer Berufung, die nur Gebet, d.h. das Sprechen mit Gott, die Verkündigung und den Kontakt zu „allen Menschen“ kennt. Einer Berufung, die nicht nur alle anderen Daseinsweisen des Menschseins ausschließt, die auch nur von dieser Berufung alleine spricht, als gäbe es nur sie. Einzig und allein nur sie. Die Berufung in der lateinischen Kirche als Ehelose. Erkennbar wieder am priesterlich-zölibatären Outfit von Unberührbarkeit und Sakralität.

Da ist die andere Realität einer katholischen Kirche, jene der weiteren Teilkirchen Roms, Ostkirchen genannt, Balsam auf die Seele nicht weniger Katholiken. In den Kirchen, in denen auch die Priester mit Ehefrau und Kindern die Hingabe an Christus leben.

Die bischöfliche Warnung aus Regensburg vor einer verheirateten Priesterschaft. Eine Posse ohne Ende?

Die verheiratete Priesterschaft dieser katholischen Ostkirchen, natürlich unter dem Blick auf die Westkirche, d.h. die lateinische Kirche, stand vor einiger Zeit im Fokus des Regensburger Bischofs, bekannt als vehementer Vertreter des priesterlichen Pflicht-Zölibats.

Nach mehreren seiner Begründungen, die auf die „Nachfolge Jesu“ und dessen Vorbild einer ehelosen Lebensweise ihr Augenmerk richteten, versuchte er vor etlicher Zeit einen gewissen Erklärungs-Spagat in dieser Frage. Er begann plötzlich vor Problemen zu warnen, die „in der Westkirche ein verheirateter Pfarrklerus“, wie ihn die Ostkirchen kennen, mit sich bringen würde.

Nun, schauen wir einmal, welche Schwierigkeiten der Herr Bischof so vermutet… Man lese und staune… und nicht nur das. Denn als ich mir dann seine Begründung ansah, in der er seine Bedenken und Warnungen aussprach, Bedenken, welche die Priester natürlich von einer Heirat sowie den Papst von einer Zölibatslockerung abhalten sollen, lupfte es mir den Hut, den ich noch nicht einmal auf dem Kopf hatte.

Der Regensburger Oberhirte äußerte doch allen Ernstes die Befürchtung, dass bei einer Lockerung oder gar Freigabe des Zölibats nicht nur die meisten Priester heiraten würden, sondern dass auf die kleine Zahl derer, die unverheiratet blieben, die Vermutung fallen könnte, sie seien homosexuell. Die Unverheirateten! Homosexuell!

Ja, Herr Bischof! Auf welchen rosafarbenen, von Glorienschein umspielten Wolken sitzen Sie denn? Diesem Mann scheint offenbar nicht bekannt, dass viele seiner dauerzölibatären Kleriker schon seit Langem als Homosexuelle eingestuft werden (ich sage viele, bei weitem nicht alle). Sowohl von antiklerikalen, manchmal auch boshaften Leuten, als auch von Kirchgängern. Von Gläubigen wohlbemerkt… Von denen inzwischen eine ganze Reihe nicht mehr an die ach so reinen Zölibatären glaubt… … …

Die billige, schon geschmacklose Argumentation dieses Bischofs gleicht einer Posse. Einem heuchlerischen Possenspiel, in dem nicht wenige der Rom zugehörigen Amtsträger Meister sind.

Die zweite und gleichermaßen abstruse Argumentation, die der Bischof aus Regensburg gegen eine Heirat der katholischen Priester vorbringt, ist die der Karrieresucht. Denn des Weiteren könnte man einem Ehelosen vorwerfen, er wolle die Karriereleiter hochsteigen und Bischof werden… Weil in den katholischen wie auch den orthodoxen Kirchen kein verheirateter Mann Bischof werden kann…

Vielleicht würde es diesen im Grunde fehlgeleiteten Klerikern einmal helfen die Worte des Apostels Paulus zu lesen (den sie ja alle so gerne zitieren, doch nur, wenn es ihnen zupasskommt):

 „Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer großen Aufgabe. Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, der Mann einer einzigen Frau … von würdiger Haltung… seine Kinder zu Gehorsam und Anstand erziehen, gastfreundlich, fähig zu lehren… Er soll ein guter Familienvater sein… Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?“ (1 Tim 3,1-5)

Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen? Und nun?Nach Paulus’Worten also ist es u.a. die entsprechend-große menschliche Erfahrung, die einen Bischof ausmacht und ihn für sein Amt prädestiniert. Auch möchte ich ein Wort zu den Kindern anmerken, die Paulus eigens erwähnt: aus den Priesterfamilien der katholischen Ostkirchen z.B. gehen wiederum viele Priester hervor. Was also können die Herren Bischöfe denn in Rom noch mehr wollen?

Und last not least sei ein Wort zu Überlegungen hinsichtlich einer Ehefrau erlaubt: hätte der damalige Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, eine liebende Ehefrau an seiner Seite gehabt, so hätte es die bösen Mäuler, die glaubten, ihm Übles nachsagen und ihren Schlamm über ihn ausschütten zu müssen, nicht gegeben. Mit Sicherheit nicht! Und noch so mancher Bischof oder Pfarrer würde sich leichter tun mit einer Frau an seiner Seite, die zu ihm steht…

Angemerkt sei betreffs der Warnungen des Regensburger Bischofs noch folgendes: wie mir aus verschiedenen Quellen bekannt ist, soll in den katholischen Ostkirchen wie auch in jenen der Orthodoxie die Homosexualität unter den Priestern viel weniger verbreitet sein, als in der katholisch-zölibatären Westkirche…

An den Haaren herbeigezogen hat Papa Francesco seine schlüpfrig-spitzen Bemerkungen sicher nicht, die er kürzlich im Kreise seiner römischen Kleriker machte, als er sich über die „Schwuchtelei“ in den Priesterseminaren wie auch in des Vatikans heiligen Hallen ausließ… Allerdings läge es an ihm, dieser „Schwuchtelei“ endlich ein Ende zu bereiten und seinen Priestern der Westkirche eine Ehefrau zu erlauben. Und anstelle der Monsignori, die z.T. „Cousins und Neffen“ in ihre Gemächer „einladen“, anständige, christliche Ehemänner und Familienväter in Vatikan und Kurie zu berufen

Weiterhin weiß ich – und das aus erster Hand –, dass die orthodoxen Bischöfe verheiratete Priester eindeutig den ledigen Gesellen vorziehen. Und dass sie letzteren den Eintritt in eine Mönchsgemeinschaft ans Herz legen… Sie sähen Single-Priester in Pfarrhäusern gar nicht gerne… Die Bischöfe wissen m.S. warum…

Bonifatius, der Deutschen Apostel. Ein skandalöser Heiliger

In den vergangenen Wochen feierten die Thüringer Katholiken, einschließlich einer dortigen evangelischen Gemeinde, die Errichtung einer in der Region ersten christlichen Kapelle, die angeblich auf Bischof Bonifatius zurückgehe; die Katholiken des Bistums Erfurt begehen darüber hinaus vor allem das 1300jährige Jubiläum der ersten Klostergründung (724/25), eines bedeutenden geistlichen Zentrums, durch diesen Bischof, der rund 20 Jahre später ihre Diözese gründete.

Bonifatius, der einst auf den Namen Winfried/Wynfred hörte, wird seit dem 16.Jh. als „Apostel der Deutschen“ verehrt; seinen christlichen Namen erhielt er von Papst Gregor II. Bonifatius, der u.a. auch Bischof von Mainz war, hat sicher seine Verdienste; er gründete zahlreiche Diözesen (Erfurt, Eichstätt, Würzburg u.a.) und verkündete als „unermüdlicher Missionar“ in Germanien das Christentum. Wobei er bei seinen Aktivitäten, durch die er die „Christianisierung Thüringens vorantrieb“ (katholisch.de), auch nicht vor Gewaltanwendung zurückschreckte und vor allem, auch im Interesse Karl Martells, des fränkischen Hausmeiers und Großvaters Karls d. Gr., eine machtvolle Reichskirche im Blick hatte. Unterstützung erfuhr er ab 741 insbesondere durch dessen Sohn Karlmann hinsichtlich bischöflicher Befugnisse und der Straffung der klerikalen Organisation.

Bezüglich der Gewaltfrage sticht eine seiner Handlungen hervor, die in den zahlreichen Legenden, die um ihn, den „Heiligen“, ranken, jedoch kaum Erwähnung findet; kaum ein Katholik, natürlich auch kein Kleriker spricht davon. Es sind Handlungen, die mich wieder einmal schockierten und mit Jesu Botschaft in keiner Weise übereinstimmen. Bonifatius, der das Concilium Germanicum, eine deutsche, von Karlmann unterstützte Reformsynode, 742 leitete, auf dem durchaus einige positive pastorale Beschlüsse gefasst wurden, verhängte dort, als ein geradezu besessener Zölibatsverfechter, gegen verheiratete Priester Kerkerstrafen und ließ sie auspeitschen. Ja, Sie lesen richtig: er ließ sie AUSPEITSCHEN!

Der Grund: die Verheirateten, im Sakrament der Ehe Lebenden wagten es, auch ein Eheleben zu führen, d.h. mit ihrer Frau zu schlafen, mit ihrer Frau zärtlich zu sein und nicht nur mit ihr “heißen Wein” oder “Kräutersud” zu trinken – Kaffee gibt es in Deutschland ja erst seit den 1670er Jahren. Das war in den Augen des Bonifatius ein „unzüchtiges“ Vergehen der Priester, die in seinen Augen zur Enthaltsamkeit verpflichtet waren. Doch nicht nur in seinen Augen! Viele historische Quellen belegen die zahlreichen Schikanen gegen verheiratete Geistliche durch fanatische Päpste, Bischöfe oder auch Mönche.

Folgende Worte von Bonifatius sind in dieser Sache überliefert: ein „unzüchtiger“ Priester solle „zwei Jahre im Kerker bleiben, vorher jedoch öffentlich gestäupt und gepeitscht werden, nachher mag der Bischof diese Strafe wiederholen lassen.“ Mönche und Nonnen sollen „nach der dritten Prügelung in den Kerker gebracht werden und daselbst bis zum Ablauf eines Jahres Buße tun.”

Ebenso sollten den Nonnen „alle Haare des Hauptes abgeschoren werden.“ Bonifatius ging es dabei wohl um „unzüchtige“ Nonnen, unter die m.S. auch die vergewaltigten fielen, die jedoch alle über einen Kamm geschert wurden. Inzwischen weiß man diesbezüglich sehr viel mehr, man weiß um die Vergewaltigung vieler Ordensfrauen durch Kleriker. Mittlerweile gibt es über diese Verbrechen eine Dissertation von der afrikanischen Ordensfrau Mary Lembo aus Togo.

Bonifatius’ teuflische Handlungen waren ein böses Vorspiel zu dem, was ab dem 11.Jh. unter den dem Zölibats-Wahn völlig verfallenen, diabolischen Reformpäpsten bis zur Durchpeitschung des Pflicht-Zölibats in der lateinischen Kirche begann: die Verfolgung der verheirateten Priester (s.u., mein Artikel in Conservo).

Werden „Heilige“ wie Bonifatius weiterhin als Heilige verehrt und gefeiert, vor allem gefeiert, werden solche skandalöse „Heilige“ nicht hinterfragt, obwohl entsprechende historische Fakten über sie bekannt sind, so enthalten die Aufarbeitung der sexuellen und anderen Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch kirchliche Mitarbeiter sowie die Glaubwürdigkeit der römischen Kirche für mich dicke Fragezeichen.

Und wie sagte einst Christus? „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die, die den Willen meines Vaters im Himmel tun“ (Mt 7,21). it der Verfolgung aber der verheirateten Priester erfüllten die Kirchenoberen nicht den Willen Gottes!

Nur – wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass mir eine Kirche, die brutale Säcke als Heilige feiert, deren oberster Hirte in Rom aber Woche um Woche „süßen Honig“ predigt, allmählich immer fremder wird.

Quellen
FR = Frankfurter Rundschau, 02.07.2024.
ZDF, 01.07.2024

CNA, „Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte vor Schwierigkeiten im Zusammenhang mit einem verheirateten Pfarrklerus“

https://katholisch.de/artikel/54179-vor-1300-jahren-bonifatius-treibt-christianisierung-thueringens-voran

https://www.kleio.org/de/geschichte/mittelalter/alltag/kap_v43/. Zölibat, Bonifatius u.a.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bonifatius

https://www.kath.ch/newsd/ordensfrau-missbrauch-von-nonnen-ist-tabuthema-und-realitaet/. Zur Dissertation von Mary Lembo

https://www.conservo.blog/2022/03/03/typisch-roemisch-katholisch-trauer-muesste-ecclesia-tragen/. Zu meinem Artikel 2 über Zölibat und Gewalt

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5 Kommentare

  1. Zu meinem obigen Frankreich-Polit-Teil:
    Die FAZ schreibt:
    “Wahl in Frankreich: Le Pen ist gebremst, die Krise nicht
    LINKE SIEGEN IN FRANKREICH:
    Die Krise ist nicht vorbei – im Gegenteil”, 07.07.24

    Schon eigenartig. Eine abgekartete Sache?
    Irgend etwas scheint faul… Und stinkt gewaltig zum Himmel…
    Aber – die Franzosen sind eben keine Italiener!

  2. Da haben Sie völlig recht. Ich habe auch in einem meiner älteren Artikel zu Zölibat u. Priesterehe von den Männern geschrieben, die “Priester werden u. heiraten wollen” – “wollen”, wenn “ihnen Gott ihre Ehefrau zuführt”, wie sie sagen würden.
    Was ich schon mitbekam, ist das: dass in den Ostkirchen nicht wenige Männer sich später weihen lassen – mit über 30 -, dass sie also klugerweise lieber warten u. zuerst heiraten, bevor sie sich weihen lassen. Damit sie sich die Möglichkeit einer Heirat nicht verbauen. Dass etwa 90% dieser Priester verheiratet sind, sagt natürlich eines ganz deutlich: die Männer wollen heiraten.
    Die ganze Ehefrage ist in den kath. u. orthodoxen Kirchen (die ja 1000 J. zu Rom dazugehörten) mit Blick auf ihre Priester z.T. widersprüchlich u. auch allgemein letztlich nicht wirklich überzeugend. Entweder ist die Ehe ein Sakrament o. sie ist es nicht.
    Wenn sie ein Sakrament ist, darf einer Priesterheirat nichts entgegenstehen: weder vor, noch nach der Weihe, auch keine 2.Ehe nach dem Tod einer Ehefrau. Wenn Paulus von einer “einzigen Frau” sprach, hatte er auch die Vielweiberei der Zeit im Auge u. nicht das grundsätzliche Gebot für eine einzige Ehe – was er natürlich eindeutig vorzog wie auch die Ehelosigkeit überhaupt. Doch lehnte er ein Verbot der Ehe genauso eindeutig ab u. sah dieses als Irrlehre (1 Tim 4,1-5) . Auch betonte er, dass er betr. der Ehelosigkeit keine Weisung von Christus habe; jeder entscheide nach seinem Charisma, das er von Gott erfahre (1 Kor.7).
    Die Scheidungen in der evangelischen Kirche liegen sicher u.a. daran, dass es seit den 70er Jahren immer wieder Pfarrer gibt, die eine Frau heiraten, die als Pfarrfrau völlig ungeeignet ist – abgesehen davon, dass dort die Ehe kein Sakrament ist. Die Pastoren, die ich kannte – u. das waren recht viele -, sind nach wie vor mit ihrer, meist ersten, Frau verheiratet. Einige der jüngeren Generation auch mit einer Pfarrerin, die sich gemeinsam ihrer Pastoralarbeit widmen.
    Noch einmal zum Ehesakrament: in den orthodoxen Kirchen tritt dies m E. viel stärker hervor, als in der katholischen. Allein durch die Krönung des Paares – ein wunderbarer Ritus. Auch wird der Hl. Geist auf das Paar herabgerufen – ebenfalls eine sehr wichtige u. wunderschöne hl. Handlung. Was in der kath. Kirche m. W. nicht der Fall ist, sondern nur der Priester, Bischofs- u. der Jungfrauenweihe vorbehalten ist.
    Ich sehe die Ehe in der kath. Kirche nach wie vor als das sogen. 5. Rad am Wagen unter den Sakramenten. Das zeigen auch schon die Heiligsprechungen! In der kath. Kirche wimmelt es nur so von ledigen Heiligen, Männern wie Frauen. Die Ehe ist der viel beschworenen Ehelosigkeit nicht ebenbürtig. Ich bin aber überzeugt davon, dass liebende Eheleute u. Familienväter bzw. -Mütter eher im Paradies ankommen, als viele, häufig ich-bezogene, Unverheiratete des geistlichen Standes. Auch wenn sie nicht kanonisiert werden.

  3. Nun, in Frankreich scheint nun im 2. Wahlgang die vereinigte linksgrünislamische Volksfront gegen den RN mit Marine le Pen gewonnen zu haben und das bedeutet langfristig:

    Der Islam wirds schon richten und die Sharia wird immer mehr beachtet werden.
    Es ist daher keine Frage, ob die alte Krönungskathedrale Notre Dame Moshee wird, sondern wann.
    Die altfränkischen Vorstellungen Kaiser Karls d. G. vom christlichen Westreich (konträr zu Konstantinopel) sind längst zu Staub zerfallen und da helfen auch keine gewünschen Reformen der kath. Kirche!
    Die hat Dank Inkompetenz, Arroganz ,falsch Zeugnis (Politik), Kinderschänderei, falsche Heilsversprechen, Frauenunterdrückung, Anti_Abtreibungswahn, Finanzmachenschaften… uvm, abgewirtschaftet.

    Die Juden in Frankreich halten ihre Klappe und verstecken sich seit mindestens 25 Jahren, wer zukünftig überleben will der tue es ihnen gleich!

  4. Ich stimme Ihnen völlig zu. Allerdings finde ich es bei allem Lob der Ostkirchen nicht gut (harmlo ausgedrückt), dass eine Ehe vor der Priesterweihe stattfinden muss und eine zweite Ehe nicht möglich ist. Was ist denn, wenn ein Priester erst nach der Weihe die Frau findet, die er liebt? In diesem Bereich tendiere ich mehr zur evangelischen Kirche. Ja, ich weiß, die Scheidungszahlen sind hoch, aber das ist für mich kein Argument.

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