Sonntag, 27. November 2022

Russland – ein Raubtier?

Eine Philippika von altmod

Wichtige Vorbemerkung von Maria Schneider zu altmods Philippika : Ich habe sie nicht verfasst. Wenn ich altmod richtig verstanden habe, war nach dem Artikel zur Rolle der Juden in der Ukraine seine Absicht, durch diese Übertreibung Vorurteile gegen Juden aufzuzeigen, indem er Vorurteile gegen Russen überspitzt darstellt. Da ich den Artikel spät abends veröffentlicht habe, habe ich diesen wichtigen Punkt vergessen. Entschuldige, altmod!

In letzter Zeit wurde häufig gefordert, dass ich bestimmte Artikel und Kommentare nicht veröffentlichen solle. Entweder weil sie zu pro-russisch, zu anti-russisch, zu transatlantisch, zu mainstream, zu rechtsradikal, zu judenfreundlich oder zu antisemitisch seien.

Die Zeiten sind chaotisch. Wacht man morgens auf, weiss man nicht, was schon wieder über Nacht geschehen ist. Liebgewonnene Überzeugungen und Welten brechen zusammen. Ich gebe – soweit es nicht justiziabel ist – jedem hier den Raum, seine Ansichten zu äußern. Nur so werden offene Debatten möglich. Nur so kann man voneinander lernen und eventuell sogar seine Meinung ändern. Der Debattenraum ist offen – aber bitte ohne Beleidigungen oder Unterstellungen. Grundsätzlich bleibt der Blog jedoch konservativ und christlich und lehnt links-kommunistische Wahnvorstellungen ab. Es folgt altmods Philippika:

Der folgende Beitrag mag aus einer emotionalen Anwandlung heraus entstanden sein, und aus einem unterdrückten Ressentiment. Aber das muss raus …

Darum will ich gleich das Ressentiment in den Vordergrund stellen: Mich hat in der Vergangenheit ein abgrundtiefes Misstrauen gegen die Russen gelenkt – und wohl nicht nur mich; auch wenn man im Grundsatz nicht verallgemeinern sollte.
Wir, meine Generation, haben zwar das nicht gerade „leibhaftig“, aber doch mittelbar erlebt – und dann verinnerlicht:

  •  Die Niederschlagung des Volksaufstands in der SBZ mit Panzern am 17. Juni 1953;
  •  Panzer mit Massakern gegen die freiheitsliebenden Ungarn im November 1956;
  •  Kubakrise 1962;
  •  Einmarsch in die CSSR 1968 und Zerschlagung des Prager Frühlings – Panzer am Wenzelsplatz
  •  Invasion in Afghanistan, wo sich der russische Bär erstmals richtige Wunden holte.

Man könnte das, was hier aufgezählt ist, als Ausfluss der Ideologie des sowjetischen Sozialismus zuordnen. Das war und ist aber – meiner Ansicht – die diesem gewalttätigen Volk genehme und auf den Leib geschnittene Ideologie.

Die Geschichte Russlands und dessen Aufstieg zur Groß- und Weltmacht war und ist die einer nicht endenden Barbarei und Brutalität. Man mag einwenden, das zeichnet auch andere Völker und Nationen aus – einschließlich das unsere. Aber es geht jetzt mal um Russland. An dem anscheinend jede Spur von Aufklärung und humanem Fortschritt fehlgegangen zu sein scheint.

Bezüglich der russischen Despoten zieht sich eine (rote) Spur von Iwan dem Schrecklichen, dann Peter „der Große“ – eines der größten Scheusale unter den Scheusalen der Weltgeschichte, bis hin zu den „roten Zaren“ mit Lenin, Stalin, Breschnew usw. im Kreml. Und bis hin zum „lupenreinen Demokraten“ Wladimir Putin.

Die Zaren von Iwan bis Stalin haben sich das größte Land der Erde zusammengeraubt oder „erobert“ und zahllose Völker unterdrückt. Was waren denn die Beweggründe, eine derartige Landmasse sich einzuverleiben, die eigentlich kein Mensch besiedeln wollte, in großen Teilen menschenunfreundlich ist, und dessen Erschließung nur mit Sträflingen, Zwangsverbannten und selten vielleicht mit Freiwilligen erfolgte.

Auch nach dem Zusammenbruch der UdSSR mit einem wirtschaftlichen und mentalen Verfall des Landes unter Jelzin behielt man weiterhin ein militärisches „Ass“ im Ärmel. Trotz eklatanter wirtschaftlicher Probleme wurde die Weiterentwicklung der herkömmlichen Waffensysteme (Flugzeuge, Raketen, Panzer etc.) dort vorangetrieben und früh mit den modernen Varianten des Cyberkriegs aktiv ergänzt.
Aufrüsten weiterhin, egal wie es dabei dem Volk in seinem anhaltenden Elend ging. Trotz SALT, INF und START etc.

Und der Westen und die europäischen Staaten haben sich in Selbstgefälligkeit eingelullt mit dem Überheblichkeitsgefühl eines Siegers und der scheinbaren Überlegenheit der eigenen Ideen. Und der eigenen Dekadenz Lauf gelassen. Der entstandene links-grüne Pazifismus verbunden mit einem irrationalen Hypermoralismus hat nicht nur Deutschland, ganz Europa in eine wehrlose und ohnmächtige Lage gebracht. Nicht mehr in der Lage, einer brutalen Menschenansammlung im Osten Europas weltanschaulich wie militärisch zu widerstehen.

Unter „Zar Wladimir“ habe das russische Volk einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren und es gäbe eine neue, nicht mehr arme Mittelschicht. Wenn die jetzt verhängten Sanktionen gegen Russland wirken würden, dann müssten sich doch die jetzt wieder vor einer Verarmung stehenden Bevölkerungsteile auflehnen und gegen Putin aufbegehren. So heißt es jetzt in manchem Kommentar der Qualitätsmedien zu der Frage, was man denn jetzt gegen den kriegerischen Zar Putin unternehmen könne.

Das russische Volk wird nicht aufbegehren, sie werden ihrem Zaren im angeborenen und anerzogenen Duckmäusertum und weiter in ihren auch Wodka-bedingten Delirien verharren.

Die einzige erfolgreiche Revolution oder Umsturzbewegung – 1917 – ging nicht vom Volk aus, sondern von importierten Eliten.
Ich habe da keine Hoffnung, dass vom russischen Volk, „vom Russen“, etwas an wirklichen Veränderungen im eigenen Staat und der Gesellschaft endigen könnte. Samisdat und Magnitisdat mit seinen intellektuellen Dissidenten hatte seinerzeit schon im Volk nichts bewirkt – kein Solschenizyn, kein Sacharow, kein Pasternak. Heute soll es angeblich in Russland Zehntausende Menschen geben, die für ihre Rechte auf die Straße gehen. Und schon 2011 gab es wohl russische Bürger, die Putin die Gefolgschaft verweigerten, wie die Welt mit einer Reportage zeigen mochte. Nichts mehr ist davon zu hören.

Ein Nawalni, Sergej Deloné, Michail Chodorkowski und der ehemalige Schach-Weltmeister Kasparow mögen im Ausland „Wirkung“ verbreiten, aber offensichtlich nicht im russischen Volk selbst.
Mit Massenprotesten, die das System Putin zum Einsturz bringen könnten, kann man dort nicht rechnen. Nicht bei einem Volk, das nicht nur bei den Siegesfeiern am 9. Mai zum „Großen Vaterländischen Krieg“ Stalin-Porträts vor sich her trägt – gesehen in St. Petersburg und Moskau.
Es ist nicht nur der von Putin gelenkte Unterdrückungsmechanismus, der das Revoltieren verunmöglicht, es ist eine Sache der Mentalität.

Wehe, wenn sie losgelassen …

Ich erlebte einstmals Russen in direkter „Kollision“ 1991 kurz vor Silvester im „Tower Thistle Hotel“ in London. Da fiel eine Meute russischer „Touristen“ – etwa 40 Personen an der Zahl – zu einer Neujahrsfeier ein. Feiste, sichtbar an Alkohol gewöhnte Männer mit protzigen Goldketten um den Hals und dicke Rolex am Arm, dazu ihre aufgetakelten Frauen oder Gspusis, eine Wolke von „Trojnoj“ verbreitend. Mit einem Auftreten wie Barbaren in Reinkultur.

So, da habe ich jetzt meine ganzen Vorurteile ausgepackt, obschon ich mich an die gute Regel halten möchte, nicht zu verallgemeinern. Nicht bei Russen, Franzosen, Italiener und auch nicht bei Amis.
Aber da habe ich heute Abend auch ein Wort des derzeitigen lettischen Präsidenten gehört, der sagte, „wer mit den Russen keine Erfahrung gesammelt hat, lebt in einer gewissen Naivität!“

Dass dieser D…-Putin einen Krieg anfängt und mit „Konsequenzen“, drohen kann, „wie Sie sie in Ihrer Geschichte noch nie erlebt haben!
Was ist das für eine Rhetorik? Man komme mir nicht mit bewusst geäußertem Kalkül oder Strategie. Das ist barbarisches Protzverhalten, jenseits von „Diplomatie“ und Einfühlungsvermögen für Andere und Anderes.

Auch – und gerade – wenn es gegen eine von Amis und westlichen „Demokraten“ gehätschelte Ukraine geht, einem Spitzenreiter auf der Liste korrupter Regime. Also gegen Seinesgleichen – auch ethnisch überwiegend.

Da mögen die Putin-Versteher und Russenfreunde jetzt über mich herfallen – nur zu!

Könnt ihr mich wirklich widerlegen?
Ihr könnt nicht nur meine „historischen“ Einsichten, die meiner Generation, aus der Welt schaffen.

Dass man dem Kerl, diesem Russen-Boss nichts Wirksames mehr entgegenstellen kann, ist das nächst Erschütternde.

Ein seniler Dattergreis als „Führer der Westlichen Welt“, ein mental, kulturell und bald auch wirtschaftlich abgewracktes Deutschland und Europa, völlig verteidigungsunfähig geworden – wie soll man da ein Raubtier hinter seinen Grenzen halten?

***

Conservo: Beiträge geben nicht automatisch die Meinung des Blogs wieder. Ich veröffentliche kontroverse Beiträge zur Wiedereröffnung des Debattenraums.

Kommentarregeln: Bitte keine beleidigenden oder strafbaren Äußerungen. Seid nett zueinander. Das Leben ist hart genug.

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