Mittwoch, 28. September 2022
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Feuer und Hitze – NASA dokumentiert den Kampf um Lyman

Von Dr. Peter Forster

Die NASA in Houston, Texas, gibt das folgende Bild aus dem Raum der Donbass-Stadt Lyman frei:

Fire and Heat. Bildquelle: NASA
  • Die Amerikaner versahen die Aufnahme mit der lakonischen Fotolegende Fire and Heat, Feuer und Hitze. Die roten Punkte bezeichnen Einschläge russischer Geschütze, Mehrfachraketenwerfer und womöglich Fernwaffen. Lyman hatte vor dem Krieg gut 21’000 Einwohner und liegt in der Bildmitte.
  • Auffallend ist die Ballung des Feuers auf den Wald und dessen Lichtungen rechts der Ortschaft. Offensichtlich hatten ukrainische Truppen im Gehölz Deckung gesucht. Die Streuung kann von 122- oder 152-mm-Haubitzen herrühren. Denkbar sind auch Einschläge der häufig eingesetzten Mehrfachraketenwerfer Grad-Tornado, Uragan und Smerch (Kaliber 122, 220 und 300 mm).
  • Lyman liegt nicht unmittelbar am Siwerskyj Donez, einem gut 1’000 Kilometer langen Nebenfluss des mächtigen Stromes Don. Auf der Fotografie zeichnete die NASA den Fluss im wahrsten Sinne des Wortes zackig ein. Er umrundet Lyman südwärts in einer Distanz von rund sieben Kilometern. Die NASA-Karte ist nicht genordet, Norden ist am unteren Bildende.
  • Fünf vereinzelte Einschläge sind rechts, gegen Westen, am Fluss, im Wald und auf Feldern festzustellen. Handelt es sich um wüste Irrläufer? oder bekämpften die Russen Einzelziele?
  • Mehr Sinn machen die roten Punkte links, ostwärts. Am Fluss müssen ukrainische Formationen Stellungen oder Deckungen errichtet haben. Westlich des Flussufers ist im Wald (oder verdecken die roten Punkte eine Lichtung?) eine Feuerballung zu identifizieren; neben Einschlägen am und hinter dem östlichen Ufer.

Lyman, das Nordtor zum Donbass

Für die Russen ist Lyman ein klassisches Teilziel auf dem Weg zum operativen Ziel im Raum der Schlüsselstädte Slawiansk und Kramatorsk.

  • Die Stadt ist ein Eisenbahnknotenpunkt mit einem Bahnhof einschliesslich einer grossen Rangieranlage. Sie liegt an der Bahnstrecke Charkow–Horliwka und zu den industriellen Zentren des Donezbeckens. Sie wird das Nordtor des Donbass genannt.
  • Von Lyman bis Slawiansk ist es 25 Kilometer und zur Oblast-Hauptstadt Donezk 135 Kilometer. Die Russen haben Lyman – Stand 8. Mai 2022, 15.44 Uhr – nicht eingenommen. Die ukrainische Armee verteidigt den Flussbogen um die Stadt mit Erfolg.

Laufend akkurate Meldungen

  • Seit ein paar Tagen wissen wir erhärtet: Die CIA und andere amerikanische Geheimdienste liefern dem ukrainischen Generalstab laufend akkurate Informationen. Die Verteidiger sind dem russischen Angreifer stets um mindestens eine Nasenlänge voraus. Von den Amerikanern, aber auch den Briten erhalten sie real time, in Echtzeit, permanent das neueste Lagebild.
  • Und die Amerikaner spielen ihrer Presse laufend an sich geheime Informationen zu, die den ohnehin angeschlagenen russischen Geheimdienst verwirren. Was stimmt? was ist Desinformation? Auch der Westen beherrscht maskirowka, Tarnung und Täuschung.
  • Sogar die NASA, eine zivile Institution mit intensiven Querlinien zum Militär, zieht mit. Die Freigabe des vorliegenden Feuer- und Hitze-Bildes erregte in den Medien wenig Aufsehen; sie berichten nach ihrer Massgabe lieber emotional. Doch die Tatsache, dass die NASA ein derart aufschlussreiches Dokument ins Netz stellt, lässt aufhorchen. Solches Material ist für den Kiewer Generalstab und die Kommandanten im Felde von unbezahlbarem Wert.

Erstveröffentlichung auf bulletin-1.ch

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1 Kommentar

  1. Nun ja, das die Ukrainer dank den Informationen der USA eine Nasenspitze voraus sind, ist eine gewagte Einschätzung. Ich würde eher sagen….. es ist umgekehrt.

    Die Russen haben nämlich ihr eigenes Satellitensystem und sie benutzen alles was in Westen gerade auch En-Vogue ist.
    Gefechtsfeldradar….. Wärmebildtechnik, Satellitenaufklärung und auch Drohnenaufklärung samt bewaffneter Drohnen.
    Anfangs lachten einige, weil sie bei den Russen gewisse Dinge nicht sehen konnten, aber mittlerweile findet man viele Videos und Bilder wie Russen im stockfinsteren Wald Ukrainer finden und beschiessen.

    Ein gutes ZF für den Kampf, also Stabil, Druckwasserdicht, gegen Linsen-Beschlag mit Stickstoff befüllt usw. kostet 10 mal so viel wie das Gewehr auf dem es montiert ist.
    Ein “Doctor-Sight” beläuft sich leicht auf 3-4000 Franken, ein Wärmebild-ZF von Marken wie Pulsar leicht auf 5000 Franken und mehr.
    Ein gutes Nachtsicht-ZF ebenso….. 4-5-6ooo.
    Bei einem Wärmebild-ZF kann sich der Gegner nur noch sehr schwer verstecken, denn er strahlt immer mindestens seine Körpertemperatur ab. Natürlich benutzen Soldaten oft improvisierte und auch nützliche Abwehrmittel, wie Regenblachen mit Verpackungs-Blasenfolie dazwischen usw. aber sie können sich damit eben kaum mehr bewegen.

    Die Artillerie wird von Drohnen geleitet, und die Kanonen selber haben PC-gestützte Feuerleit-Systeme die jeden Punkt im Land genau erfasst haben und ohne jedes Einschiessen das Ziel treffen, nur einfach noch mit der üblichen Streuung bei so grossen Kalibern.
    Telemetrievermessung und Beobachter brauchts nicht mehr….. die sind Vergangenheit.

    Nein, die Russen stehen da in nichts nach……. nur das die Ukrainer von den USA eben recht schnell über Entwicklungen auf dem Gefechtsfeld gewarnt werden.
    Sie haben vermutlich pro Tag 5-700 Mann an Gefallenen.
    Die Ukraine hat kaum noch gepanzerte Artillerie. Aber gezogene Kanonen sind in dem Krieg extrem gefährdet.
    Die ca. 100 ….M-777 Haubitzen der Amerikaner sind nicht viel wert, denn bei denen wurden aus Gewichtsgrünen von wegen Lufttransportierbarkeit die Lafetten aus Titan hergestellt.
    Titan ist teuer, schwer zu verarbeiten und besonders steif. Stahl ist dehnbar…… und verträgt das verformen unter Last viel besser als Titan.
    Diese “Steifigkeit” des Titans verursacht also besonders viel Verschleiss……. diese Kanonen müssen nach 1 Woche Einsatz überholt werden……. dazu aber brauchen sie Ersatzteile und Werkstätten die für Titan ausgerüstet sind….. alles sehr teuer.

    Zudem haben die Amis ihr Feuerleitsystem ausgebaut, sie fürchteten wohl das es den Russen in die Hände fällt oder aber in der Ukraine sind die Grundvoraussetzungen für diese Feuerleitsysteme gar nicht vorhanden.
    Nach wenigen Schüssen müssen sie sofort die Stellung wechseln, denn die heutige Gefechtsfeldaufklärung kann anhand der Granaten-Schussbahn schnell feststellen wo die Kanonen in etwa stehen. Dann gibts sofort Gegenfeuer. “Gezogene Artillerie2 ist mit diesem Krieg vermutlich weg vom Fenster, die ist viel zu anfällig.

    Viele Waffen die geliefert wurden, sind nur 2.klassig….. klar, die guten gibt keine Armee gerne her, denn alle haben sie eher zu wenig wie zu viel.

    Die Leopard-1 Panzer sind veraltet. Die haben gezogene Rohre im Kaliber 105mm, anstatt wie der T-72 glatte Rohre mit 120mm. Der T-72 ist ein mittlerer Panzer von 44 Tonnen, der Leo-1 auch.
    Die Russen wollten viel Feuerkraft und geringes Gewicht um Brücken überfahren zu können.
    Der Abrams oder Leo-2 bieten viel besseren Schutz, sind aber über 60 Tonnen und können kaum eine Brücke überfahren.

    Tja, man tut dem T-72 viel Unrecht….. aber es ist wahr, er ist leichter abzuschiessen wie ein Leo-2.

    Die Russen haben im WK-II gelernt das Masse wichtiger ist wie technische Innovation…… darum haben die auch immer noch ca. 12ooo ……T-72 und mehrere tausend neuere Modelle wie den T-80 …. den T90 / 95 und den Armata T-14. Der Armata T-14 ist zwar erst in kleinen Mengen da. ( ca. 100 ) aber dafür ist er der Weltweit beste Panzer neuester Generation mit extrem gutem Schutz für die 3 Mann Besatzung.
    Die können bei Treffern vermutlich sogar die Explosion der Bordmunition überleben.

    Unsere Panzer sind alle schon über 40 Jahre alt.
    Als ich in der Lehre an einen Sonderkurs der Armee gehen musste, denn alle mit meinem Beruf, auf die warn man in der Armee scharf, ……. da waren wir gerade am beschaffen der Leopard-2 Panzer. Da ich mit 18 nur ca. 1.75 gross war, dafür sehr kräftig, sollte ich zur Panzertuppe gemustert werden.
    Uns wurden die neuen Leoparden gezeigt und die Werksfahrer von Kraus Maffei führten ihn uns vor.

    Das war aber 1980….

    Die Stinger Flugabwehrraketen sind eigentlich auch am Ende ihrer Laufbahn……. mein Kollege war damals in der Lehre bei Wild-Heerbrugg als Maschinen-Mechaniker.
    Er stellte auch Komponenten für den optischen Stinger Gefechtskopf her….. vor 40 Jahren.

    Die Stinger funzen noch, gegen Helikopter, Drohnen usw…… aber für die US Armee sind sie alter Kram.

    Sie geben der Ukraine also die Dinger ab, nicht gratis, die Ukraine muss sie abstottern und die US Armee bekommt dafür neue, bessere, modernisierte, weiterentwickelte.

    Die Stinger die sie in den Lagern haben, die können sie selber im Inland übrigens kaum noch neu herstellen,
    Denn in den USA sind gute Handwerker, Maschinenmechaniker und Fachleute aller Art, selten geworden.

    Das alles wird nun in China gemacht…..

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