Samstag, 1. Oktober 2022
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Rosen für die Ewigkeit

Von Doris Mahlberg.

Bild: Pixabay

Rosen begleiten uns Menschen schon seit langer Zeit. Um keine andere Blume ranken sich so zahlreiche Mythen, Legenden und Geschichten wie um die Rose, hat sie doch seit jeher die Dichter, Maler und Sänger vieler Epochen inspiriert. Teokrit (310 bis 250 v.Chr.) nannte die Rose das Licht der Welt und das Feuer der Liebe. In ihr vereinen sich die Würde und die Schönheit aller Blumen.

Nach Fossilienfunden kann man mit einiger Sicherheit sagen, daß auf der Erde schon Rosen wuchsen bevor es Menschen gab. Aber bis zu unserer heutigen dicht gefüllten Gartenrose war es ein langer Weg der Entwicklung. Die älteste Darstellung einer Rose findet sich im Palast von Knossos auf Kreta im Haus der Fresken, die vor ca. 3500 Jahren entstanden sind. Auch in der Grabkammer von Tutenchamun fand man gebündelte Rosensträuße. Und natürlich wußte auch Cleopatra den Zauber der Rose für sich zu nutzen. Sie ließ sich salben mit kostbarem Rosenöl und ihre Gemächer waren mit Rosenblüten bedeckt. Auch Nero soll für ein einziges Gelage Rosenblüten im Wert von 10.000 Sesterzen verschwendet haben. Eigens zu diesem Zweck mußten die Römer durch warme Quellen gespeiste Gewächshäuser bauen, in denen die Rosen zu vorzeitiger Blüte angeregt wurden. Bereits die Chinesen kultivierten Rosen vor ca. 3000 Jahren. Aber die frühesten Berichte über die Rose stammen aus Zentral-Asien, von wo sie ihren Siegeszug nach Europa und Amerika antrat. Das erste geschichtlich überlieferte Zeugnis von einer Rosenzucht in Deutschland stammt von Karl dem Großen (ca. 800 n.Chr.).

Als es darum ging, die Entstehungsgeschichte der Rose zu schildern, liefen die Dichter geradezu zur Höchstform auf. So schrieben die Griechen die Entstehung der Rose Aphrodite zu, der Göttin der Liebe. Im Orient hingegen erzählte man sich, daß Allah eine weiße Rose erschuf und sie zur Königin der Blumen ernannte. In England sagte man, daß die Rose von Chloris, der griechischen Göttin der Blumen erschaffen wurde. Als älteste Geschichte um die Entstehung der Rose gilt die Legende des Dichters Anakreon : Als das Meer die schöne Venus schaumfunkelnd aus dem Wasser gebar, wollte auch die Erde ihrerseits ein Meisterwerk erschaffen und so wuchs majestätisch auf ihrer dornigen Säule die Rose, die unsterbliche Blume der Liebe. Niemand konnte sich dem Zauber der Rose entziehen und so wurde sie zur mystischen Blume des Abendlandes. Nur die Christen lehnten die Rose lange Zeit als heidnisches Symbol der Sünde ab, bis schließlich eine Legende auftauchte (woher weiß man nicht) die besagte, daß das Blut Christi vom Kreuz ins Moos tropfte und so die Moosrose geboren wurde. Das Kreuz wurde durch die Verbindung mit der Rose zum Sinnbild der Auferstehung und des neuen Lebens. Die Rose durfte triumphieren ! Ihre Schönheit hatte selbst abergläubischen Unsinn besiegt.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, über all die herrlichen Rosensorten zu schreiben, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte bis in unsere heutige Zeit entstanden. Manche bildeten sich von ganz allein, vermutlich aus verschiedenen Sämlingen in Rosenhecken, aber die meisten der uns heute bekannten Gartenrosen wurden gezüchtet und kultiviert. Erwähnen möchte ich aber die wunderbare Damaszener Rose. Aus dem Orient stammend kam sie über Griechenland und Italien nach Europa, wo sie mit Begeisterung aufgenommen wurde. Ihr schwerer, berauschender Duft eignete sich hervorragend für die Herstellung kostbarer Parfüms und Rosenölen, wie auch für die feine Küche, worüber man besonders in Frankreich entzückt war. Außerdem trug sie nun größere, locker gefüllte Blüten. Kein Wunder also, daß der nahe Osten als das eigentliche Rosenparadies galt, dessen märchenhaftes Zentrum Bagdad war. Aber auch in England, dem Mutterland der Gartenkunst, waren die Menschen verrückt nach Rosen, wie überall in der Welt. Im Mittelalter war die beliebteste Rose auf der Insel die “”dog rose “”, eine Wildrose die besonders süß duftete. Die Engländer nannten sie liebevoll “” sweet briar “”. Auch Shakespeare liebte diese Rose und erwähnte sie oft in seinen Gedichten und Dramen.

Heute wachsen in unseren Gärten große, dichtgefüllte und duftende Rosen, die unser Herz erfreuen und unsere Sinne verzaubern. Welch einen erstaunlichen Weg hat diese schöne und doch so vergängliche Blume zurückgelegt. Und vielleicht wird es einmal wieder so sein, daß auf dieser Erde immer noch Rosen wachsen, wenn es die Menschen schon lange nicht mehr gibt. Und so beende ich diese kleine Rosengeschichte mit einigen Zeilen des wohl schönsten Sonetts von William Shakespeare. Welcher andere Dichter hätte es je besser vermocht, die Schönheit und die Ewigkeit in Worten miteinander zu vereinen …………… ?

"Dein ewger Sommer aber soll nicht fliehn
noch diese Schönheit, dein Besitz, ihm fehlen ,
noch soll der Tod dich in sein Dunkel ziehn , wenn ewge Verse dich der Zeit vermählen.
So lang wie Menschen atmen, Augen sehn ,
so lang lebt dies, so lang wirst du bestehn.

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10 Kommentare

  1. Ja liebe Doris, meine duftenden Rosen, sind mir das Liebste!

    ,,Ich wollt ein Kränzlein binden, da kam die dunkle Nacht, nur Rosen konnte ich finden, die hab ich dir gebracht!”

    In dieser kleinen Zeile kommt das Leuchten, der Duft und das zu Herzen gehen dieser von Gottgegebenen Pflanze zum Vorschein.
    Schenkt Rosen !!!
    Danke für die kleine Unterbrechung aus der Tristesse des Weltgeschehens!

    • @ Liebe Ingrid, danke für Deine lieben Worte und die schöne Gedichtzeile. Ich finde es schade, daß heutzutage kaum noch Gedichte gelesen werden. Aus diesem Grund kommt hier für Dich und alle anderen Leser noch ein Rosengedicht ………………….

      Die Rose und der Schmetterling von Rose Ausländer

      Wenn das weiße Morgenlächeln über meiner Blüte hängt
      und der Frühluft leises Fächeln sich in meinem Kelch verfängt,
      daß mein grüner Körperstengel sehnsuchtsvoll sich überneigt,
      kommt ein schöner Falterengel, der mit mir zum Himmel steigt.

      Meine duftige Gewandung wandelt er zum Flügelkleid,
      über Tag und Mittagsbrandung schweben wir durch lichte Zeit,
      und wir schaukeln und wir strahlen unsere Seelen in die Luft,
      füllen alle Blütenschalen : er mit Farbe, ich mit Duft.

  2. Danke, Doris, für diesen wunderbaren Artikel. Du hast recht, in dieser Zeit kann man nur dankbar sein, wenn jemand Seelennahrung verteilt.
    Elisabeth von Österreich (1837-1898)
    Du sandtest mir blühende Rosen
    Du sandtest mir blühende ROSEN
    Einst über den lieblichsten See
    mit Zweigen des weißen Jasmines
    gleich duftenden Nachtwinterschnee.

    Doch jüngst erst band ich dir ein Sträußchen
    aus duftendem weißen Jasmin
    sie brachtens wohl über das Wasser
    Sie legten auf
    s Herz es dir hin.

    Drauf wand ich aus blühenden Rosen
    den Kranz von berauschendem Duft
    den trug ich voll Sorgfalt und Liebe
    hinab in die dunkelnde Gruft.

    Dort hab ich Abschied genommen
    und drückte noch leise zum Schluß
    mein unvergesslicher König
    auf deinen Sarg einen Kuß.

    (aus Nordseelieder, Ischl, Sommer 1886 – nach dem Tod König Ludwig II von Bayern)

    Sie muss ihn sehr geliebt haben.

    • @ Liebe Heidi,

      oooooh wie schön, vielen Dank für dieses Gedicht. Ich kannte es noch nicht. Ja, Sissi hat ihren Ludwig geliebt und er sie wohl auch, aber es war eine aussichtslose Liebe. Da gibt es doch das schöne Lied von Andreas Gabalier, “” einmal seh` n wir uns wieder ………….. “”
      Liebe Grüße …………….

  3. liebe Frau Mahlberg,

    ein wunderschöner artikel: sprache und inhalt.
    danke für diesen seelenstreichler!

    lieben gruß!

    • @ Elisa

      Ich freue mich, liebe Elisa, daß meine Rosengeschichte Ihnen gefallen hat. In dieser verrückten und nervenaufreibenden Zeit brauchen wir hin und wieder etwas für die Seele. Liebe Grüße ………………

      • @Elisa

        Liebe Grüße an Ihre Rosenfreundinnen, liebe Elisa. Bei mir im Garten gibt es zur Zeit “Wasserfälle” aus Rosen. Ich genieße jede Stunde mit meinen duftenden Rosen, denn die Zeit geht so schnell vorbei und dann muß ich wieder ein Jahr lang warten ………….

      • liebe frau mahlberg, ich beneide sie! meine röschen auf dem balkon sind ziemlich mickrig, obwohl ich mir alle mühe gebe. aber ich liebe sie dennoch und hege jede blüte!

        einen schönen und ruhigen abend noch. wer weiß, was uns morgen wieder “blüht” …

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