Mittwoch, 28. September 2022
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Russland verlagert Panzer nach Westen

Von Peter Forster *)

19. Januar 2022: Panzermanöver auf der Krim – wie stets nach russischer Doktrin im scharfen Schuss.
19. Januar 2022: Panzermanöver auf der Krim – wie stets nach russischer Doktrin im scharfen Schuss.
  • Unter Berufung auf den Generalobersten Alexander Fomin berichtet die AP, die Agentur Associated Press: Die russische Armee verlegt Panzertruppen nach Westen, genauer: nach Belorus. Fomin ist einer der Stellvertreter des Verteidigungsministers Sergej Shoigu, der das Vertrauen des Präsidenten Putin besitzt. AP, die grosse, zuverlässige Agentur, gehört den amerikanischen Medien.
  • Wie Fomin bekannt gab, verschiebt der Generalstab in Moskau die Panzerverbände zu Manövern nach Weissrussland. An sich ist das ein normaler Vorgang. Oft schon trainierten Russen und Weissrussen gemeinsam im Westen von Belorus – mit der Konsequenz, dass russische Kampfformationen in Weissrussland stehen blieben.
  • Die neue Verschiebung lässt in Kiew, Warschau, London und Washington die Alarmglocken schellen. Russlands Gegner erkennen “eine Zuspitzung wie vor einem terrestrischen Angriff”: Cyberattacken, “inszenierte anti-russische Anschläge”, Propaganda gegen die Ukraine – und jetzt Manöver in Belorus, direkt an einer der Stossachsen nach Kiew.
  • Das muss nicht den Einmarsch bedeuten. Doch oft schon begannen Kriege mit Manövern. Das Training von Offensiv-Operationen, der Übergang in die Gefechtsformation und Angriffe aus der Bewegung läuteten immer wieder Invasionen ein. Es muss, wie gesagt, nicht schon der Überfall sein, den Kiew und seine Verbündeten befürchten. Aber Russlands Szenario folgt seit Dezember 2021 einem Drehbuch, wie es generalstäblerischer, drohender nicht sein könnte.

Affaire à suivre, URGENT!

PS. Am Freitag, 21. Januar 2022, treffen sich die Aussenminister Lawrow und Blinken in Genf, wieder ohne Europäer, versteht sich. Am 10. Januar schickten die beiden Minister noch ihre Stellvertreter Rjabkow und Sherman, die nichts erreichten. Rjabkow war in Begleitung von Generaloberst Fomin, der seinen Chef Shoigu vertrat.

Aktuelle Bilder von den Fronten

Nachschub für die Krim: Anlandung von Radschützenpanzern.
Auf Tiefladern werden T-72-Kampfpanzer nach Belarus verschoben.
Sie entscheiden über Krieg und Frieden: Gerassimow, Putin, Shoigu.
Der 19. Januar ist für die Orthodoxen ein hoher Feiertag: Der 68-jährige Putin demonstriert seine Härte.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf dem Bulletin-1.ch veröffentlicht.

*) Peter Forster: Studium der Geschichte und des Staatsrechts, Dr. phil., Korrespondent der “Neuen Zürcher Zeitung” in Nahost, Chefredaktor 20 Jahre der “Thurgauer Zeitung” und 14 Jahre der Zeitschrift „Schweizer Soldat“, jetzt des Bulletin-1.ch. Oberst der Schweizer Armee, Batterie-, Bataillons- und Regimentskommandant. War Mitglied der Eidgenössischen Staatsschutzkommission, davon sechs Jahre als Präsident. Autor mehrerer Militär- und Nahostbücher.

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