Mittwoch, 28. September 2022
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Über allem ist der „Atem Gottes, den Gott dem Menschen einhaucht“ –  Der Lebenshauch des Heiligen Geistes

Der Pfingst-Predigt zweiter Teil von Monseigneur Michel Aupetit

(Übersetzt von Dr. Juliana Bauer)

Bild: Pixabay

Ein Kind erblickt das Licht der Welt.

Ein Mensch, dessen Leben der Atem ist. Betrachten wir seine ersten Minuten. Sein erster Schrei ist ein gleichzeitiges Schnappen nach Luft, „die Lunge entfaltet sich.“ Ohne zu atmen, ist menschliches Leben unmöglich… „Atmen heißt Leben.“

Michel Aupetit: Der „Atem Gottes, den Gott dem Menschen einhaucht…“

Oder auch: Leben heißt Atmen. Leben auf dieser Erde. Darüber hinaus auch Ewiges Leben.

Und über allem ist der „Atem Gottes, den Gott dem Menschen einhaucht, der ein Zeichen des Lebens darstellt…“ So verkündete es der damalige Pariser Erzbischof und ehemalige Arzt Michel Aupetit am Pfingstfest 2020.

Es war der zweite Teil seiner Homilie (deren erster Teil dem Feuer des Geistes Gottes gewidmet war).

Und es war das zweite, den Heiligen Geist auszeichnende Element – der ATEM. Der „Atem Gottes,“ dem Michel Aupetits weitere Gedanken galten.  Dem Atem, dem Lebenselixier, das Gott durch seinen Geist dem Menschen einhaucht. Dem Atem, der ein Geschenk des Lebens ist, der jedem Menschen als Gabe Gottes zu Teil wird.

An diesem Punkt führte der Erzbischof von der Lesung (Apostelgeschichte: 2,1-11) zum Evangelium des Pfingsttages über und damit in seinen zweiten Predigtteil ein. Zu jenem österlichen Text aus dem Johannesevangelium, der von dem großen Gottesgeschenk berichtet, das der Auferstandene den Jüngern macht: den Heiligen Geist (Joh.20,19-23).

„Als er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“

„Aber da gibt es gleichzeitig noch etwas, das verwundert“, meinte Mgr Aupetit. „Am Tag der Auferstehung schenkt Jesus bereits seinen Jüngern den Heiligen Geist (Joh.20,22) … das war bereits vor Pfingsten … Aber das war nicht das Gleiche (wie am Pfingsttag). Jener Tag war der Tag, an dem das Leben über den Tod triumphierte, es ist der Tag der Auferstehung Christi, an dem er mitten unter den Jüngern ist. Und er zeigt ihnen: das Leben ist stärker als der Tod … Dabei wird nicht von Feuerzungen gesprochen.

Was aber macht Christus? Er haucht die Jünger an (Als er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!‘ Joh.20,22). Was aber ist das, dieser Hauch? Dieser Hauch Gottes?“ An dieser Stelle ging Michel Aupetit zurück zur hebräischen Bibel, zum Buch Genesis, das vom Lebensatem Gottes berichtet, den Gott dem Menschen einverleibt: ‚Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen‘ (Gen.2,7). „Und“ – Mgr Aupetit zeigte die Verbindung des Lebenshauchs des Auferstandenen und des Atems Gottes am Beginn der Schöpfung auf – „als Christus an jenem Tag durch sein Menschsein offenbart, dass das Leben stärker ist als der Tod, gibt er den Lebenshauch seinen Aposteln weiter.Und damit den Heiligen Geist.

Die Lebenskraft des Gottesgeistes in der Erkennung und Vergebung der Sünden

Über die Veranschaulichung des Geist-Empfangs durch den auferstandenen Christus, der den Sieg über den Tod und damit das Ewige Leben bedeutet, beleuchtete Michel Aupetit einen weiteren wesentlichen Aspekt des österlich-pfingstlichen Glaubens: nämlich jenen, dass Jesus mit dem Einhauchen des Lebensatems, diesen gleichzeitig an die Vergebung der Sünden bindet: „Weil Christus gekommen ist, um uns zu retten, zu retten von Tod und Sünde … Von der Sünde, die kein moralisches Fehlverhalten, sondern den Bruch mit Gott darstellt, der zum Tod führt.“ Dann legte Erzbischof Aupetit seinen Zuhörern dar, dass die Auferstehung Jesu uns eine neue Beziehung mit Gott ermögliche, die jedoch ohne die Sündenvergebung nicht realisierbar sei. „Das Heilen von der Sünde, die neue Beziehung zu Gott, die auf der Auferstehung Jesu gründet, gibt uns das Leben weiter. Daher aber ist es unabdingbar, dass uns die Sünden vergeben werden…“

Christus vermittle bei dieser Begegnung mit den Jüngern, dass der Heilige Geist dort sei, wo Schuld erkannt und vergeben wird (Anm.: In Joh. 20,23 finden sich die folgenden Worte Jesu ‚Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert‘). Im Zug seiner Erläuterungen ging der Erzbischof auch auf die Beichte ein, in welcher Christus uns durch den Mund des Priesters vergebe, in der wir die Gnade der Vergebung erhielten…

Und was wären die Predigten Michel Aupetits ohne seinen feinen Humor? So auch hier, kaum wahrnehmbar. Wenn er die Sünden „seiner Brüder“ höre, mache er diese auch darauf aufmerksam, dass hier „zwei Sünder“ säßen. Denn sie beide, er und der Beichtende, seien Sünder vor Christus und würden seine Gnade der Vergebung empfangen… Christus wisse schließlich, dass er keine Heiligen vor sich habe, die ihm nachfolgen, sondern Menschen, die er zur Heiligkeit rufe, die sich auf dem Weg zur Heiligkeit befänden.

Christus – fast eindringlich waren Aupetits Schlussworte an seine Gemeinde – schenke uns den Heiligen Geist, den Geist Gottes, dass wir von seiner Fülle in der Welt Zeugnis geben, von der Liebe Gottes und der Auferstehung. Davon, dass das Leben stärker ist, als der Tod…

Auszüge aus der gesprochenen Predigt vom Pfingstsonntag 2020 (von der keine Schriftfassung vorliegt): Homélie de Mgr Michel Aupetit, Diocèse Paris. KTOTV (Télévision Catholique), Messe du 31 mai 2020, à Saint-Germain l’Auxerrois.

Übersetzung: Dr. Juliana Bauer

Ich ergänze einen rund drei Wochen alten Tweet von Michel Aupetit mit pfingstlichen Wünschen für die gesamte Kirchenhierarchie:

„Die Institution Kirche ist zu sehr mit der eigenen Organisation beschäftigt. Es ist dringend notwendig, uns vom Heiligen Geist auf neuen Wegen führen zu lassen, die aus den funktionellen Zwängen hinausführen.“ (14.Mai 2022)

Kommentarregeln: Bitte keine beleidigenden oder strafbaren Äußerungen. Seid nett zueinander. Das Leben ist hart genug.

1 Kommentar

  1. Man koennte theoretisieren, dass Gott sich niederbeugte, um Adam das Leben einzuhauchen.
    Die Bewegung der Damen, die rufen “mein Bauch gehoert mir” haben ja einen Punkt fuer sich, aber das neue Leben, dass da heranwaechst, hat auch schon den Goettlichen Atem in sich.
    Und genau hier stellt sich die Frage (fuer einen Christen), wie sieht es mit der Abtreibung aus.
    Wer mal dabei war, wenn jemand stirbt, dem sollte auffallen, dass zu bestimmten einem Zeitpunkt das Kinn herunterfaellt. Auch hier kann man theoretisieren, dass dann die Seele den Koerper verlaesst.
    Wir werden es erfahren, wie es wirklich ist.

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