Freitag, 7. Oktober 2022
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Mit Tinte und Herzblut

Von Doris Mahlberg

pink roses on white paper
Bild: Unsplash

Ich bin eine leidenschaftliche Gärtnerin und Rosenliebhaberin und mein Hobby ist das Schreiben und Illustrieren von Rosenbüchern. Bisher sind es drei und in jedem Buch habe ich auch einen Themenaufsatz verfasst mit den Titeln:
“Mit Tinte und Herzblut” (Geschichten über das Briefeschreiben),
“Frauen und Bücher – eine Liebe für die Ewigkeit”, und schließlich
“Geliebte Schmöker – von Lieblingsbüchern und Kuschelecken”

Es folgt ein Auszug aus “Mit Tinte und Herzblut”:

Worüber man schweigen muß, darüber kann man Briefe schreiben “, sagte einst sehr treffend Liselotte von der Pfalz, die in ihrem Leben ca. 50.000 Briefe schrieb. Und wie recht sie hatte, denn für die rechtlosen und unterdrückten Frauen vergangener Jahrhunderte war das Schreiben von Briefen und Tagebüchern eine Art seelischer Freiraum, in dem sie Stress abbauen und ihren Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten Ausdruck verleihen konnten.

Briefe und Tagebücher waren manchmal sogar eine heilende Therapie. Ein Paradebeispiel ist die englische Schriftstellerin Elizabeth Barrett,die an einem schweren psychosomatischen Trauma litt, in das ihr tyrannischer Vater sie getrieben hatte. Dennoch fand der Dichter Robert Browning den Weg an ihr Krankenbett und verliebte sich in sie. Fortan wechselten sie in 20 Monaten 537 Briefe, in denen Elizabeth zum ersten Mal über ihre Lebensgeschichte und all ihre Ängste sprechen konnte. Ihr Gesundheitszustand besserte sich von Brief zu Brief. Heimlich heirateten die beiden und flüchteten nach Italien, wo sie 15 glückliche Ehejahre verbrachten. Und dort, genauer gesagt in Pisa,überreichte Elizabeth ihrem Robert jene 44 Sonette, die ihren Namen in der Weltliteratur für immer unsterblich machen sollten.

Napoleon schrieb sich an Josephine die Finger wund und sogar Winston Churchill (man fasst es kaum !) schrieb zärtliche Liebesbriefe an seine Ehefrau Clementine. Adalbert Stifter schrieb an seine geliebte Amalia : ”Du weißt nicht, Du kannst es gar nicht wissen, wie meine Seele Dir zugetan ist. Möge Gott uns vergönnen, bis in unser hohes Alter beieinander zu sein.” In England wurde zu Jane Austen`s Zeiten das Briefeschreiben zu einer Kunst erhoben. Man achtete genau auf Stil und Worte und man schätzte eine häusliche Behaglichkeit, in der man sich mit einer Tasse Tee und einem guten Buch in die Gartenlaube oder einen gemütlichen Lehnstuhl zurückzog.

Ob Briefe zwischen Clara Wieck und Robert Schumann, Theodor Storm und Dorothea Jensen, Theodor Fontane und seiner armgeplagten Ehefrau Emilie, bis hin zu den berühmtesten Liebesbriefen der französischen Literatur von Cyrano de Bergerac an seine Roxane …, sie alle erzählen vom Glück und Leid der Menschen vergangener Jahrhunderte. Ein handgeschriebener Brief drückt Wertschätzung aus und verleiht den Worten Dauer und Gewicht. Man kann ihn aufbewahren wie einen Schatz und immer wieder lesen. Und um wieviel wertvoller erst sind ein paar Zeilen von einem geliebten Menschen, der diese Welt bereits verlassen hat ??

Und hier für diejenigen, die es mögen, einige Worte aus der berühmten Balkon-Szene. Nein, nicht von Romeo und Julia, sondern von Cyrano und Roxane:


Ist`s nicht ein Traum ?
Wir sind uns nah und sehen uns doch kaum.
Sie sehen,daß ein Mantel schleift im Düstern,
ich seh des weißen Sommerkleides Flimmer,
ich bin ein Schatten nur, Sie nur ein Schimmer ……..
Verstehst du nun, beginnst du zu begreifen,
daß durch die Nacht Dir meine Seele naht ….. ??”

Darauf Roxane :
Sie sind vom Zauber dieser Nacht berauscht,
drum klingt auch Ihre Stimme wie vertauscht …….

Kommentarregeln: Bitte keine beleidigenden oder strafbaren Äußerungen. Seid nett zueinander. Das Leben ist hart genug.

8 Kommentare

  1. Liebe Doris, vielen Dank für diesen Artikel. Leider ist es so, dass das Briefeschreiben aus der Mode gekommen ist, obwohl man doch so viel im geschriebenen Wort ausdrücken kann. Briefe aus früheren Zeiten, die vielleicht vieles klären könnten, existieren nicht mehr und das ist schade., denn sie könnten vieles auf- und erklären. Die Welt ist durch die technischen Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten, ärmer und kälter geworden. Danke noch einmal, dass Du auf das Schöne, welches im Briefeschreiben zu finden ist, hingewiesen und mit der Schönheit der Rosen verglichen hast.
    LG Heidi

    • @Liebe Heidi, das sehe ich ganz genau so. Sicherlich haben unsere Computer und die ganze Technik auch Vorteile, aber freundlicher ist die Welt dadurch nicht geworden. Wir leben in einer Zeit, in der nur noch kalte,seelenlose und profitgierige Globalisten das große Sagen haben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß es auch wieder anders werden kann.

      Und hier für Dich und alle Leser noch ein paar Zeilen zum Schmunzeln : Wie ich bereits sagte,überhäufte Napoleon seine Josephine mit Briefen. Allerdings ärgerte es ihn sehr, daß er kaum jemals Antwort bekam. In einem Brief von 1797 ließ er dann seinem Frust freien Lauf : “” Madame, ich liebe Sie nicht mehr !! Im Gegenteil, ich verachte Sie ! Sie schreiben mir nie. Was tun Sie denn den ganzen Tag, Madame, daß Sie nicht die Zeit finden, Ihrem treuen Ehemann ein paar Zeilen zu schreiben, obwohl Sie doch genau wissen, wie glücklich Sie ihn damit machen können ??””

      Jaaa, heute wissen wir, warum Josephine nicht schreiben wollte. Sie war auch eine Rosenliebhaberin und kümmerte sich nur um ihre Lieblinge. Ihr Name wird immer mit der Rose verbunden bleiben. Die Gallicarose “Empress Josephine” und die wunderschöne Bourbonrose “Souvenir de la Malmaison” wurden einst der großen Rosenfreundin zugedacht und blühen bis heute in unseren Parks und Gärten.

      • Auch wir lieben Rosen und mein Mann kümmert sich mit Hngabe um sie. Geht es den Rosen schlecht, geht es ihm schlecht. Die Rose ist meine Lieblingsblume und blüht meistens zu meinem Geburtstag ganz prächtig. Wundeschöne Briefe dazu machen dann den Tag perfekt.

  2. Chapeau liebe Doris, ich habs doch gesagt, du bist eine gute Literatin.
    Mit sehr viel Feingefühl, denn das braucht man auch bei Rosen, gehst du an die Themen heran.
    Leider ist das Breifeschreiben aus der Mode gekommen.
    Auch ich erinnere mich an sehr viele Briefe die ich meinem geliebten Soldaten, der immer wo anders war, geschrieben habe.
    Das Geschriebene hat viel mehr Geist und Tiefe als ein Telefonat oder gar WhatsApp.

    Mach weiterso, ich erfreue mich daran, denn auch ich liebe meine Rosen und meinen Garten, es ist mein Hort der Ruhe und der Kraftschöpfung.
    Liebe Grüße Ingrid

    • @Ingrid

      Liebe Ingrid, Du tiffst den Nagel auf den Kopf ! Gärten sind Lebensräume voller Kraft und Magie. Und hier noch ein paar Zeilen des Dichters Hermann Claudius für Dich :

      Es haben meine wilden Rosen
      erschauernd vor dem Hauch der Nacht
      die windeleichten, lichten, losen
      Blüten behutsam zugemacht.

      Doch sind sie so voll Licht gesogen,
      daß es wie Schleier sie umweht
      und daß die Nacht in scheuem Bogen
      am Rosenbusch vorüber geht.

  3. Mit der allgemein gehaltenen Unterdrückung der Frauen war ich nie und bin ich nicht einverstanden. Jetzt gehen wir mal in die Deutsche Sprache, ein Kleinod inzwischen auf der Welt und speziell in Deutschland, dem Land ihres Ursprunges.
    Und dann nehmen wir uns gleich dieses Wort “einverstanden” vor. Das ist es nämlich was ich ausdrücken will: nicht eines/desselben Verstandes. Und Verstand kommt bekanntlich von verstehen, begreifen, erkennen, für real empfinden usw.
    Was ich zu verstehen geben will, ist, daß ich es zu keiner Zeit verstanden habe – sowohl in meiner Jugend (ich bin der Jüngste nach zwei Schwestern) als auch im Erwachsenenalter – , daß die Frauen auf einmal anfingen (teilweise auch meine Schwestern), sich diskriminiert und zurückgesetzt sowie ausgebeutet zu fühlen, weil eine Shearer (weiß nicht mehr ihren Vornamen) in USA und eine Alice Schwarzer in Europa/Deutschland und ihre Kampfgenossen das so bestimmten. Hatte dementsprechend auch einige Rededuelle mit den Schwestern, weil sie auf den “gleichen Zug aufsprangen” wie die meisten Frauen. Habe mich stets gegen derartige Animositäten uns Männern gegenüber zur Wehr gesetzt und werde dies weiter tun.
    Hat sich ja inzwischen herausgestellt, daß solche Protagonistinnen von Rothschild und Rockefeller fürstlich entlohnt wurden für ihre Kampagnen, die dazu beitrugen, – platt gesagt – die Familien und den traditionellen Zusammenhang speziell Deutscher Gemeinschaften zu zerstören.
    Und was das Resultat für unsere Kinder bedeutet, sehen wir heute in Gender Inklusion Geschlechtsdiversifikation und und und …
    Ansonsten sehe ich Ihre Beschäftigung mit Poesie zwischen den Geschlechtern – ausgedrückt und verbreitet durch das schriftliche Wort als etwas sehr Wertvolles an, das helfen kann, diese Zwiespältigkeit und Zerstrittenheit und das Auseinanderdriften von Mann und Frau zu nivellieren und auf einen gesunden respektvollen Umgang miteinander zurückzuführen.

    Freundlicher Gruß Rolf

    • @Semenchkare

      Vielen Dank. Allerdings ist dieser Artikel nur ein kleiner Auszug aus meinem Themenaufsatz “”Briefeschreiben””. Der ganze Aufsatz umfasst auch andere Themen, nämlich Briefe, die von Soldaten an der Front an ihre Familien in die Heimat geschickt wurden oder auch einen sehr bewegenden Brief einer französischen Lazarettschwester an die Mutter eines verwundeten deutschen Soldaten. Ich habe auch einen Brief gefunden, der von einem zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer, schon mit gefesselten Händen kurz vor der Hinrichtung, schnell auf ein Blatt Papier gekritzelt wurde als letzten Gruß an seine Lieben. Das Thema “Briefeschreiben” ist romantisch, traurig, auch tragisch, manchmal witzig, aber es hat mir eines gezeigt : Es gibt sehr viel, das wir nicht wüßten, wenn unsere Vorfahren vergangener Zeiten nicht so fleißig Briefe geschrieben hätten.

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